Entscheidungskriterien für die Auswahl von Energiemanagementsystemen in der Industrie

Nach welchen Kriterien wähle ich ein Energiemanagementsystem aus?

Sobald ein Unternehmen die Entscheidung fällt ein Energiemanagementsystem zu beschaffen, stehen betroffene Mitarbeiter vor der Qual der Wahl. Mit über 400 Anbietern ist der Markt nicht gerade übersichtlich. Firmen stehen vor den schwierigen Fragen: „Auf was muss ich achten?“ und „Welches ist das passende System für meine Anforderungen?“.

Wir haben bei unseren Kunden nachgefragt, welche Kriterien für sie bei der Entscheidung wichtig waren und möchten die Ergebnisse als Hilfe in diesem Blogbeitrag zusammenfassen.

Die folgenden Entscheidungskriterien haben sich für unsere Kunden als die wichtigsten herausgestellt: Kosten, Features, Service und Zukunftsfähigkeit.

Eine Zusammenfassung der Entscheidungskriterien

Entscheidungsmatrix Energiemanagement

Besonders hervorzuheben ist hier die Bedeutung der Kosten in Verbindung mit den erhältlichen Features und der Frage „Was bekomme ich für mein Geld?“. Bei den Features sind Schnittstellen und Flexibilität die wichtigsten Anforderungen, da einige Kunden aufgrund fehlender Kompatibilität schon nach kurzer Zeit ihr gesamtes System austauschen mussten.

1. Entscheidungskriterium – Kosten

Zur Berechnung der Kosten sollten sich die Betriebe klar machen, dass Energiemanagement ein iterativer Prozess ist: Sobald erste Daten visualisiert sind, werden einige Fragen beantwortet und neue Fragen aufgeworfen. Deswegen sollten die Kosten in einer Zeitreihe über die nächsten 5-10 Jahre aufgetragen werden. Denn sowohl die Anzahl der Zähler als auch die Anzahl der Nutzer wird jährlich steigen.

Beispiel für eine vollständige Kostenberechnung

 

Externe Kosten für das Energiemanagementsystem

  • Zähler
  • Software: üblicherweise gibt es eine Einmalzahlung sowie eine monatlich oder jährliche Wartungs-/Lizenzgebühr.
  • Software-Inbetriebnahme
  • Software-Schulung
  • Datenlogger (falls notwendig): es muss geprüft werden, ob der Hersteller zusätzliche Gateways erfordert.
  • Server, Betriebssystem, Hosting (falls notwendig): Wenn keine Hardware mit Betriebssystem mitgeliefert wird, muss beides vom Kunden gestellt werden. Dies verschlingt immer eine vierstellige Summe, die manchmal nicht Teil des Angebots ist.

Hinweis zur Software: Wichtig ist die Berechnung der Kosten über mehrere Jahre. Viele Hersteller verwenden Preismodelle pro Zählpunkt und pro Nutzer. Es ist wichtig zu berücksichtigen, dass sowohl die Anzahl der Zähler (Erfahrungswert 5-10 Neue pro Jahr) und die Nutzeranzahl (Controller, Strom-Einkäufer, Betriebsleiter, Geschäftsführer, Elektro-Abteilung, externe Dienstleister, etc.) steigen werden. Dies liegt darin begründet, dass das Thema Energie durch die Energiewende immer wichtiger wird und moderne Energiemanagementsoftware mehr und mehr Teile der Prozessleittechnik übernimmt.

Interne und versteckte Kosten

  • Installationsaufwand für Zähler
  • Austausch von vorhandenen nicht-kompatiblen Zählern
  • Verkabelungsaufwand
  • Kosten für Service: Schulung, Erstkonfiguration, hinzufügen weiterer Zähler, Betreuung
  • Freischaltung von Schnittstellen zu Drittsystemen: ERP, SPS, GLT (kann schnell fünfstellig sein)
  • Updates
  • Kosten für Engineering: Messkonzept, Kompatibilitätsberatung

Tipps: Es lohnt sich eine genaue Rechnung über alle Komponenten aufzustellen. Hersteller von Zählern vertreiben die Software häufig sehr günstig; empfehlen dann allerdings unnötig teure oder zu viele Zähler. Außerdem müssen in diesem Fall häufiger die bestehenden Zähler wegen Inkompatibilitäten ausgetauscht werden. Anbieter von reiner Software sind zwar teurer, aber kompatibler zu zusätzlichen Zählern, so dass dafür günstigere Zähler herstellerunabhängig eingesetzt werden können. Da im Fall von reinen Softwareherstellern die Software ihr einziges Produkt ist, ist diese in der Regel teurer.

(Hinweis zur Bafa: Die Förderung lohnt sich meistens betriebswirtschaftlich nicht, da die internen Kosten für die Beantragung höher sind als die zu erwartende Förderung).

 

2. Entscheidungskriterium – Features

Als wichtigstes Kriterium nennen uns Kunden meistens eine zeitgemäße Weboberfläche. Darüber hinaus sind weitere Kriterien bei den Features relevant:

  • Echtzeitdarstellung
  • benutzerspezifische Ansichten
  • Diagrammformen: Linie, gestapelte Linie, Balken, ABC-Analyse, Heatmap
  • Multispartenfähigkeit (meistens beginnen Industriebetriebe mit Strom, planen aber mittelfristig auch Gas, Wärme, Temperaturen, oder Wasser mit aufzuzeichnen).
  • CSV-Export
  • Integration des Übergabe-Hauptzählers
  • Treiber für marktgängige Zähler: Siemens, Janitza, KBR, Celsa, Frako, Econ
  • monatliche Berichte

 

 

Eine Auswahl der Features des ENIT Agent

3. Entscheidungskriterium – Service

Der Weg der Energiedaten von den Zählern bis zur Energie-Einsparung kann sehr lang sein. Aus unserer Erfahrung sind fehlende Ressourcen im Betrieb die Haupthürde auf dem diesem Weg. Entsprechend wichtig ist ein sinnvolles Servicepaket bei der Konfiguration, der Erstellung eines Messkonzepts und der Interpretation der Daten. An folgende Pakete sollte zusammenfassend gedacht werden:

  • Zählerkonfiguration
  • Konfiguration der Analysen
  • Messkonzept
  • Interpretation

 

 

 

Beispiel für ein Messkonzzept

 

4. Entscheidungskriterium – Zukunftsfähigkeit

Die meisten mittelständischen Unternehmen stehen zum Zeitpunkt der Kaufentscheidung für Zähler und Auswertungssoftware noch am Anfang ihrer Energiesystemoptimierung. Dementsprechend ist es wichtig die Zukunftsfähigkeit eines Energiemanagements im Auge zu behalten. Folgende Kriterien betreffend der Zukunftsfähigkeit wurden uns durch unsere Kunden genannt:

  • Datensicherheit
  • Industrie 4.0-Schnittstellen zur Energiedatennutzung in der Prozessleittechnik, SPS, MES, ERP-System
  • Integration und Controlling von Eigenerzeugung PV, BHKW, Speicher
  • Lastabwurf
  • zukünftiger Energiemarkt: direkter Stromhandel; flexible Tarife
  • mittelfristig bilateraler Stromhandel/Blockchain/regionale Vermarktung (z.b. an Nachbarn)

 

Daraus leiten sich konkret die folgende Anforderungen an die Zukunftsfähigkeit eines Energiemanagementsystems ab:

  • Schnittstellen zu Drittsystemen
  • Flexible Softwarearchitektur
  • Funktionale Erweiterbarkeit durch Updates
  • Hohe Datenqualität: nicht nur Impulse sondern elektrotechnische Charakteristik für Wartung und Fehlererkennung

 

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